Donnerstag, 29. August 2013
2 Grad... und das Zimmer brennt
Vorletzte Nacht haben wir wohl den größten Schock erlebt, den man sich vorstellen kann. Man geht ins Bett, eingemummelt bis zum geht nicht mehr und stellt die Elektroheizung an, da es sowohl draußen als auch im Haus nur 2 Grad Celsius beträgt, und wacht mitten in der Nacht auf, weil das Zimmer brennt.
Die Elektroheizung hat das Kopfkissen meiner Schwester entzündet, das herunter gefallen war.
Nach dem kläglichen Versuch, das Feuer selbst zu löschen, musste dann doch die Feuerwehr anrücken, die meines Erachtens eine Ewigkeit brauchte, bis sie endlich kam.
In der Zeit packte ich meine ganzen Dokumente zusammen und brachte sie in Sicherheit, in der Befürchtung, dass ich nach dieser Nacht nichts mehr haben würde als das, was ich trug.
Die restliche Nacht verbrachten meine Schwester und ich in meinem Schlafsack, der ebenfalls überlebte, auf der Couch... geschlafen haben wir nicht.
Am nächsten Morgen stellte sich heraus, dass "nur" die Sachen meiner Schwester fast komplett zu Schaden kamen, meine jedoch durch die halbhohe Wand zwischen unseren Zimmern fast alle unversehrt blieben, wenn man von dem Dreck der nass gewordenen Asche und dem Gestank absieht.
Zur Zeit hausen Mari und ich im Zimmer meines Bruders, und leben aus meinem Koffer.
Morgen jedoch wird der Maler kommen, der die schwarzen Wände wieder strahlen lassen wird. Das Grauen hat also ein voraussichtliches Ende!
Das Schlimme ist nur, dass wir nachts immer noch bis an die 0 Grad haben und wegen des Gestanks bei offenem Fenster schlafen müssen, weshalb ich wirklich hoffe, dass es wärmer wird.
Bis Sonntag sollte unser Zimmer wieder bezugsfähig sein, bis dahin bleibt es bei dem provisorischen Lager.
Das wichtigste ist, dass es uns allen gut geht und wir bis auf einige materielle Dinge nichts wirklich an die Flammen abgeben mussten.
Das war hoffentlich das erste uns letzte schreckliche Erlebnis, von dem ich berichte.

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Samstag, 24. August 2013
daily life
So langsam habe ich das Gefühl, mich hier eingelebt zu haben. Die Arbeit gefällt mir immer besser, klar gibt es Höhen und Tiefen, aber die Kinder sind mega süß, wenn man vom Karies absieht und dem Schmutz, der überall ist. Richtig unterhalten kann ich mich nur mit wenigen, da fast alle ausschließlich Guaraní sprechen, aber mit Händen und Füßen funktioniert alles.
Letztes Wochenende war voller Aktivitäten, dieses wird ähnlich. Ich habe kaum Zeit für Langeweile - an Wochenenden. Unter der Woche sieht das leider etwas anders aus. Da es hier um 6 Uhr dunkel wird ist der Tag sehr kurz und somit ist es beinahe unmöglich, noch Freunde nach der Arbeit zu treffen. Da ich bisher noch keinen Sport für mich gefunden habe, sind meine Abende eher langweilig, aber das wird sich auch bald ändern.
Etwas geschockt hat mich gestern, dass ich eins "meiner Kinder", die ich betreue und mit denen ich spiele, auf der Straße habe arbeiten sehen. Sie hat mich begrüßt, andere haben versucht sich zu verstecken, haben sich geschämt... ich wusste einfach gar nicht, wie ich reagieren soll. Die Kinder haben keine Chance, in die Schule zu gehen, bzw gehen in mein Projekt und bekommen Essen und Zuneigung, anstatt in der Schule zu sein und zu lernen und nachmittags sind sie arbeiten...
Ich denke, damit muss ich mich noch anfreunden, bzw es lernen hinzunehmen. Was ändern kann ich nicht.
Immerhin ist es schon mal ein gutes Zeichen, dass sie halbtags kommen, um sich wenigstens wenige Stunden wie Kinder verhalten zu können.

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Freitag, 16. August 2013
First day of work
Hallo alle zusammen,

gestern wurde ich meiner Arbeitsstelle vorgestellt und habe direkt angefangen. Es gibt zwei Betreuerinnen, die Chefin und einen Mann, der mit den Familien der Kinder arbeitet. zu vergessen sind natürlich nicht die 90 Kinder. zumindest sind sie nicht zu übersehen und überhören.
Aufgenommen wurde ich herzlich, Hilfe wird gebraucht, und die Kinder sind natürlich alle sehr gespannt, woher ich komme und was ich hier eigentlich mache. schwierig ist die Verständigung mit den Kindern, da sie fast alle Guarani sprechen und dazu auch noch sehr schnell reden.
Kälte kennen sie nicht, sind es ja gewohnt auch bei 1 Grad nur das zu tragen, was sie haben, nämlich nicht viel. Fast beschämt fühle ich mich neben ihnen, wenn ich daran denke, dass ich nachts mit allem, was ich an warmen Sachen habe, schlafe und daran denke, dass die Kinder in den Karton- und PLastikhäusern nicht einmal ein Bett haben, sondern direkt auf dem kalten Boden liegen...
Die Organisation ist wirklich eine Bereicherung für die Kinder, die sonst als Straßenverkäufer zu sehen sind. Dort können sie spielen und bekommen warmes Essen, welches wirklich sehr lecker und vor allem sehr gesund ist!
Ich bin gespannt, wie es weitergeht und was ich dort an Aufgaben übernehmen kann trotz meiner sprachlichen Schwierigkeiten.
Hasta luego!

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